Tiername: Ragnar
Rasse: Dobermann
Geschlecht: männlich/kastriert
Alter: geb. 13.12.17
Größe/Gewicht: 35 kg
im Tierheim seit: 2.11.18

Ragnar, ein starker Name für einen jungen Dobermannrüden, der seinen Platz in der Welt noch finden muss und gerade auf Irrwegen wandert …

Der Name Ragnar stammt aus dem Altgermanischen und bedeutet übersetzt so viel wie ‚Entschluss des Schicksals.‘
Das Schicksal hat Ragnar in der Tat schon sein Leben lang begleitet und wir wünschen uns sehr, dass es ihn am Ende seines nicht immer leichten Weges in ein Für-immer-Zuhause bei den richtigen Menschen führt. Oder zumindest erstmal in eine Pflegestelle, denn momentan ist Ragnar unser Sorgenkind Nummer 1, das unter dem Tierheimstress schier verrückt zu werden scheint. Die wenigsten Hunde haben es im Tierheim leicht, aber der Dobermann hat es wohl mit am schwersten …

Mit knapp einem Jahr wurde Ragnar bei uns im Tierheim Lübbersdorf abgegeben, vorher soll er schon mehrere Vorbesitzer gehabt haben. Genau können wir seine Vorgeschichte leider nicht zurückverfolgen, feststeht, dass es mehrere Beißvorfälle gab und er deshalb immer wieder weitergereicht wurde, bis er schließlich bei uns landete.

Ragnar zeigt sich bei uns als typischer, junger Dobermannrüde, aufmerksam und dynamisch.   Tägliche körperliche Auslastung ist unglaublich wichtig für ihn, da er ansonsten im wahrsten Sinne des Wortes die Wände hochgeht. Seine Leinenführigkeit benötigt noch Feinschliff, er lernt aber schnell und gerne und beherrscht die Grundkommandos bereits sehr gut. Ragnar fährt problemlos im Auto mit, auch in der Box.
Außerdem kennt er es, an der Schleppleine zu laufen. Wir können uns gut vorstellen, dass Ragnar nach einer Eingewöhnungszeit auch mal alleine zuhause bleiben kann, sofern er vorher ausgelastet wurde.

Was Ragnar am allermeisten braucht, ist regelmäßige Ruhe und eine Bezugsperson, die ihm die Gelassenheit vorlebt, die ihm fehlt. Oft ist Ragnar mit verschiedenen Umweltreizen noch überfordert und überdreht dann, wenn er nicht gebremst bzw. umgelenkt wird.
Ragnar ist in der Tat ein Spiegel dessen, wer sich am anderen Ende der Leine befindet und genauso sollten seine zukünftigen Besitzer ihn auch sehen, führen, behandeln und letztendlich verstehen.

Ein kupierter Dobermann ist eine imposante Erscheinung und fällt nicht selten in ein bestimmtes Muster, aus dem wir Ragnar bewusst fernhalten wollen.
Er hat in seinem kurzen Leben bereits genug Willkür von Menschen erfahren müssen und sucht nun solche, die es wirklich ernst mit ihm meinen und bei Schwierigkeiten nicht gleich die Flinte ins Korn werfen.

Ragnar reagiert massiv abwehrend, wenn er zu sehr bedrängt wird oder in Stresssituationen gerät. Frauen lässt er dabei mehr ‚durchgehen‘ als Männern, wenn Ragnar aber erst einmal ausgelöst hat, ist es völlig egal, wer sich am anderen Ende der Leine befindet.
Zudem reagiert er stark auf Druck am Halsband und wird bei uns deshalb mit einem Sicherheitsgeschirr geführt.
Leider können wir nicht sagen, was für Erfahrungen Ragnar in der Vergangenheit diesbezüglich gemacht hat.
Ragnar kennt seinen Maulkorb (sehr wichtig!) und trägt ihn problemlos.

Ragnar wurde uns als artgenossenunverträglich übergeben, dies hat sich zum Glück als Irrtum herausgestellt. Er ist gut verträglich mit Rüden und Hündinnen, auch wenn er einiges nachzuholen hat und sich bei Hundebegegnungen momentan noch sehr aufgeregt zeigt. Umso wichtiger ist es nun für seine Entwicklung, dass er mit vielen verschiedenen Hunden Kontakt aufnehmen und kommunizieren darf.
Wir sehen Ragnar momentan trotzdem eher als Einzelhund, weil er die volle Aufmerksamkeit seiner zukünftigen Besitzer verdient hat und vor allem vorerst braucht.

Wir wünschen uns für Ragnar vorzugsweise einen Ein- oder Zweipersonenhaushalt ohne viel Hektik ud Stress. Ragnar wird nicht an einen Haushalt mit Kindern oder Teenagern vermittelt. Seine neuen Besitzer sollten stattdessen sehr sehr viel Hundeerfahrung und -verstand mitbringen und über die richtigen Rahmenbedingungen verfügen, die das alltägliche Management im Umgang mit Ragnar ermöglichen.

Das heißt im Klartext, dass Ragnar einen Rückzugsort braucht, der sehr reizarm ist, damit er einfach abschalten und zur Ruhe kommen kann. Eine ausreichend große Box eignet sich durchaus, ideal wäre aber tatsächlich ein eigener Raum. Diese Möglichkeit des Separierens ist zudem aus dem Grund unerlässlich, dass Ragnar anfangs auch im Haus mit seinem Maulkorb gesichert werden muss, und man ihm diesen dann wenigstens in ’seinem‘ Bereich abnehmen könnte. Ragnars neues Zuhause sollte ländlich und verkehrsberuhigt gelegen sein, um zusätzlichen Stress für ihn auszuschließen.
Ein eingezäunter Garten würde das Zusammenleben sicher erleichtern, da Ragnar auf dem Spaziergang vor lauter Reizüberflutung gerne mal vergisst, sein Geschäft zu erledigen.
Auch ist er manchmal nicht unbedingt sehr kooperativ, wenn es z.B. darum geht, sich sein Geschirr anziehen zu lassen …

Ragnar ist eine (Lebens-)Aufgabe und absolut kein Hund, der mal ebenso mitläuft. Es bedarf einiges an Erfahrung und Willensstärke, sich dieser Herausforderung zu stellen und gemeinsam mit Ragnar den Weg zu gehen, sein Dasein wieder lebenswert zu machen und natürlich nachhaltig sicherer für sein Umfeld.
Ein geeignetes Zuhause oder eine Pflegestelle für Ragnar zu finden, gleicht momentan wohl eher einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen, aber wir drücken die Daumen für ihn.
Der Stress im Tierheim setzt dem armen Kerl so zu, dass dort draußen doch irgendwo eine zugegeben etwas Wahnsinn benötigende, zweibeinige Chance für ihn schlummern muss …
Oder?